Leuchtturmeffekt im Comic-Meer

Die Tage habe ich versucht, im DC-Universum Land zu sichten. Nach Jahren der Abstinenz ist es schwierig einen Wiedereinstieg aus dem 70er in das 2000er Comic-Meer zu finden. Die Charaktere sind irgendwie bekannt und doch nicht bekannt.
Manche haben dermaßen viel Weiterentwicklung von sich erfahren, dass ich nicht weiß, ob ich die Figur mögen kann oder nicht.

Das ist eines der großen Probleme, die Superhelden-Comics haben, die Geschichten um die Heldinnen und Helden werden von vielen Zeichnern, Schreibern und was weiß ich erzählt, dass die Einheit abhanden kommt.

Natürlich sollen sich Charaktere weiterentwickeln. Aber mal sind sie tot, dann wieder doch nicht, dann böse, dann plötzlich nicht.

In wie vielen Welten leben die Charaktere, wie viele Erzählstränge müssen zusammengebunden werden?

Es ist nicht wie bei Asterix und Obelix, dass ein Erzähler und ein Zeichner eine kontinuierliche Erzählweise beibehalten: Asterix Zuhause, Probleme, Abenteuer, Probleme gelöst und Feier im Dorf mit dem Troubadouren gefesselt und geknebelt auf dem Baum.

Des weiteren besteht ja das nachvollziehbare Interesse der Verlage, dass möglichst regelmäßig ein neues Heft veröffentlicht und verkauft werden soll.
Dies führt zu den unangenehmen Stolpersteine für die Leserinnen: Da wird in der einen Reihe Bezug auf eine andere Reihe genommen, die gerade nicht gesammelt wird. Oder Geschichten können nicht mehr im Ganzen besorgt werden, weil es aus einer Serie von vier nur noch Heft 1 und Heft 3 gibt.
graysigh

Den Leuchtturmeffekt einführen

Von daher versuche ich Lichtpunkte zu setzen, einen Leuchtturm, der mir die Richtung weist: Abgeschlossene graphische Novellen.
Und natürlich lesbische Charaktere auffinden und verfolgen.
Ein bisschen Seelenmassage tut halt einfach gut. icon_wave

Bei DC fand sich eine interessante Figur: Renee Montoya.
Bei allem Hype um Batwoman in der Serie 52 empfinde ich diese Figur als die größere Überraschung der Serie. Und dies obwohl der Charakter mit der Graphic Novelle Half a Life bereits etabliert wurde (was ich leider erst heute durch Recherche herausfand). Auf jeden Fall macht diese Leseerfahrung in der Serie 52 Hunger nach mehr Abenteuer von dieser Figur. grayyes

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X-Men 3 zitiert auch "Gott liebt, Menschen töten"

Der zweite Teil der X-Men-Verfilmungen nimmt Anleihen von X-Men Graphic Novel „God loves, Man kills“.
Es ist schwierig an diesen Band heranzukommen, da dieser fast völlig vergriffen ist. Es gibt „God loves, Man kills II“ bei Amazon, in welchem die ursprüngliche Geschichte, nebst einer „Nach“folgegeschichte dargestellt ist.
Ich konnte in einem Online-Comic-Laden noch die deutsche Urfassung abgreifen.
Suchen lohnt sich. icon_mrgreen

Die Paralellen zwischen Teil 2 der Verfilmung und der Novelle sind markant. Vielleicht sollte der Diskussion um religiöse Eiferer nicht Zunder gegeben werden, weshalb der „Bösewicht“ von einem Reverend im Comic in einen Militär-Commander im Film umgewandelt wurde.

Das Comic liest sich flüssig. Die Zeichnungen sind gut.
Und ich war freudig überrascht, ein weiteres Zitat zu finden, welches letztendlich in Teil 3 mit anderen Charakteren dargestellt wurde.
Und nun bin ich’s zufrieden, weil es im dritten Teil der Verfilmung nur ein Zurücklassen und nicht ein Mord geworden ist („Du gehörst nicht mehr zu uns, du bist eine von ihnen.“) wie im Comic dargestellt:

Chris Claremont, Brent Anderson: X-Men - Gott liebt, Menschen töten Zur Ansicht eines größeren Bildes, bitte auf das Bild klicken

Weitere Stimmen zum Comic:

Creating the definitive X-Men story… this was the task Chris Claremont faced when asked to write the X-Men’s entry into Marvel’s graphic novel line. There have been a lot of elements that defined the X-Men during the height of its popularity in the ’80s: intricate subplots, deep characterization, soap opera appeal, a grim and gritty atmosphere, etc. However, Claremont wisely chose to focus on the theme that truly defines what the X-Men is all about – discrimination. The X-Men, after all, represent the champions of the ultimate minority. The result? An X-Men tale for the ages.
comixfan.com/xfan/forums/showthread.php?t=22141

Diesen modernen Klassiker sollte jeder X-Men Fan kennen. „God Loves, Man Kills“ erschien 1982 in den USA. Die damals noch junge Idee der Graphic Novel erlaubte es den Autoren, nicht unbedingt alltägliche Ideen mit etwas mehr Tiefe zu bearbeiten als gewohnt.
Parnass – Kulturzeitschrift im Internet

Auch diese Graphische Novelle ist absolut empfehlenswert. grayyes



Gott liebt, Menschen tötenMarvel Graphic Novels #5
„X-Men – Gott liebt, Menschen töten“
Verlag: Panini
Künstler: Chris Claremont , Brent Anderson
Bewertung:
♠ ♠ ♠ ♠ ♠

 

Wolverine: Origin

Stets auf der Suche nach guten abgeschlossenen graphischen Novellen fiel mir die Geschichte um die Hintergründe von Wolverine in die Hände.

Episch und schön erzählt, wird die Leserin in eine Zeit vor knapp 140 Jahren nach Kanada entführt. Wie es der Titel des Buches beschreibt, geht es um die Ursprünge von „Logan“ Wolverine.

Was mir daran gefallen hat?
Es sind gelungene Zeichnungen. Es geht nicht nur um Haudrauf, sondern um Tiefe, Hintergründe und auch das Katz und Maus-Spielen des Autors mit den Erwartungen der Leserschaft. graysmilewinkgrin

Nach dem ersten Lesedurchgang freu ich mich auf das Wiederlesen, da die Aufmerksamkeit nun eine andere sein wird. graybigeek

Meines Erachtens ein sehr empfehlenswertes Buch und bereichert die Marvel-Mythologie ungemein.
:wave:

Hier noch eine gute Comic-Rezension bei Parnass.
Und noch Rezension: Wolverine: Origin bei fantasyguide.de.



Origin (Wolverine)Paul Jenkins, Adam Kubert
Wolverine: Origin
Sprache: Deutsch
Broschiert – 164 Seiten – Panini
Erscheinungsdatum: April 2006
ISBN: 386607168X
Meine Bewertung:
♠ ♠ ♠ ♠

 

Die Hoffnung…

Nach einer Nacht drüber schlafen, gehen mir folgende Gedanken durch den Kopf:

Gut, das Level der Comic-Verfilmungen hat sich im Laufe meines Lebens ständig und immens verbessert…

Comic-Verfilmungen in den 60ern, 70ern und 80ern

Das Kind freute sich, als die Spider-Man-Verfilmung mit Nicolas Hammond in den 70ern ins Kino kam. Es sah sanft über die Seile hinweg, die Hammond an der Wand hielten.

Zuvor gab es so ein Batman-Haudrauf-Kino, welches irrer nicht sein konnte. Das Kind ist’s zufrieden.

Es kam ein Donner über Superman

1978 nahm sich die Filmindustrie des Superman-Heldenmythos wieder an. Das Kind sah über diverse Biegungen in der Geschichte von Kal-El hinweg. (Großer Krypton, wieso musste Supermans Vater so alt sein? Naja, auf der anderen Seite zog Marlon Brando die Leute ins Kino.)
Zumindest konnte eine gewisse Ernsthaftigkeit durch die Regie Richard Donners im Umgang mit dem Thema aus einem Comic nicht übersehen werden. graybigeek

Dunkle Märchen in den 90ern…

Es kamen die wunderschönen Batman-Balladen von Tim Burton Ende der 80er, Anfang der 90er ins Kino (Batman und Batman Returns).

Danach ging es nach diesen Batman-Highlights erstmal mit den Comic-Verfilmungen wieder bergab. Es waren kostümierte Witzfiguren gut oder böse, die über die Leinwand huschten.

TV

Dafür brachte das Fernsehen schöne Comic-Interpretationen:
Flash mit John Wesley Shipp sowie
Superman – Die Abenteuer von Lois & Clark Anfand der 90er.
Und The Shadow (1994) und The Phantom (1996) sah ich bisher auch nur im TV.

… und zurück auf die Leinwand

Das Kino kam wieder mit X-Men (2000) (Hab ich zuerst auf DVD gesehen).

Dann *trommelwirbel* kam 2002 Spider-Man (ich war fünfmal im Kino) und mit gleicher Qualität 2004 Spider-Man 2 ins Kino. Der Mythos lebt! Da „klebt“ und krabbelt tatsächlich ein Mensch an der Wand!

Die Liste kann fortgeführt werden mit:
X2 (2003)
Hulk (2003)
Constantine (2005)
Hellboy (2004)
The Punisher (2004)

Ich erwartete bei so manchen nicht viel, da ich die Comics nicht kannte und war hübsch überrascht, was so auf die Leinwand gezaubert wurde.

Der Einbruch und Hoffnung

Aber es gab einen Einbruch, als DareDevil 2003 in die deutschen Kinos kam.
Ich mochte diesen blinden Superhelden.
Aber was ich auf der Leinwand sah, war ein arrogantes Schwein, dessen Entwicklung ich nicht nachvollziehen konnte.
Später erfuhr ich, dass Zeitdruck dazu führte, dass der Film ziemlich schnell fertig gestellt werden musste. Auch wurde am Budget der Ausstattung und Möglichkeiten gespart. Es sollte anscheinend der Comic-Hype im Kino mitgenommen werden.

Die Überraschung kam zwei Jahre später:
Es erscheint eine Director’s Cut auf dem DVD-Markt, die mich überwältigte.
DAS ist DareDevil, das ist die Geschichte.

Und so…
Vielleicht erschließt sich X3 erst nach dem zweiten Mal schauen? Wer mag schon gern so viele tolle Charaktere auf einmal fallen sehen?
Vielleicht – hoffentlich – macht sich der Regisseur Ratner doch noch die Mühe und bringt eine Director’s Cut mit dem eigentlichen Sinn der Geschichte auf den DVD-Markt?
graysigh

Ich gehe nun in meinen Schrein und zünde hierfür eine Kerze an…
icon_wave

 

It is a Grey day! – Es ist ein grauer Tag!

X-Men 3 – Der Film.
Es ging um Heilung.
Und es ging um Jean Grey.

Die Frage taucht dennoch regelmäßig hämmernd auf:

Hätte Magneto im Kampf genauso gehandelt, wie es die X-Men am Schluss dann taten?
Wäre er genau so vorgegangen und hätte, nur um des Sieges Willen, Mutanten verraten?
… eine Frage der Moral. grayembarrassed

Weitere Infos und Stellungnahmen finden sich hier:


Nachtrag nach Sehen der DVD 01.11.2006:
Ja, Magneto wollte tatsächlich so handeln, wenn sich ihm Mutanten in den Weg stellten…
Warum bleibt der Film selbst beim zweiten Mal ansehen so unrund?
icon_rolleyes


Nachtrag Trailer 08.03.2008: