Argentinische Comics. „Nos tocó hacer reir“ [Update]

IMG_1805-argentinische_comiGoogle sagt, „Nos tocó hacer reir“ heiße übersetzt „Wir haben zu lachen“. Klingt anstrengend diese Aufforderung. Mafalda blickt uns auf dem Veranstaltungsplakat entgegen. Und damit ist die Hintersinnigkeit des Themas schon angedeutet.
Ich habe gestern die Ausstellung zu den Argentinischen Comics angeschaut.

Dieses Moment nahm ich auch als Auftakt für meinen Countdown zur Buchmesse, bei der dieses Jahr Argentinien das Ehrengastland ist.
 
Die besondere Geschichte

Es wird zwar Werbung mit Quinos Mafalda gemacht, mit deren Charakter mensch viel Spaß haben kann. Aber die Figur ist sehr hintersinnig und politisch. Und so bewegen sich die meisten „Comics“ der Ausstellung im Bereich der (politischen) Karikatur.

Es gab viel über die Geschichte von Argentinien zu lesen: Politische Führer wurden inhaftiert. Menschen verschwanden und tauchten nie mehr auf. Das Land selbst war vor allem die „Kornkammer der Welt“: von dort wurde Fleisch und Getreide exportiert.

Immer wieder gab es Gewalt, Diktaturen, Pressezensuren. Es herrschte Korruption. Gewerkschaften wurden gegängelt. Und so deutet eine der Zeichnungen an, dass die Gewalt bereits im 15. Jahrhundert begann, als die Spanier ins Land kamen und die Ureinwohner überrannten.

Aber es gab auch die andere Seite: Einführung eines Rentensystems, Frauenwahlrecht, Krankenversicherung… In der Gegenwart sogar die Einführung der Ehe für Homosexuelle.

Argentinien bewegt sich innerhalb kurzer Abstände in Extremen, so erhielt ich den Eindruck.

Mit diesem Hintergrundwissen sah ich, wie sich in schwierigen Zeiten künstlerischer Widerstand zeigte – trotz Zensur. Der Finger wurde auf die Wunde gelegt: So sind unter anderen Zeichnungen zu den 30.000 Verschwundenen während der Diktaturzeiten, zum Falklandkrieg und der Auswirkung der Wirtschaftskrise von 2001 in der Ausstellung zu sehen.

Héctor Germán Oesterheld

Einen großen Raum innerhalb der Ausstellung nahm Héctor Germán Oesterheld ein. Osterheld war auch Comic-Autor. In den 70ern wurde er verhaftet und „verschwand“. Noch 1982 schrieb Hergé an den Diktator Leopoldo Galtieri, dass er die Entführung verurteile und forderte die Freilassung von Oesterheld – dieser war wahrscheinlich zu diesem Zeitpunkt bereits ermordet. Der französische Kultusminister Jack Lang zeichnete Oesterheld in Abwesenheit 1983 mit dem Orden der Künste und Literatur („Ordre des Arts et Lettres“) aus.

Viele Künstler zeichneten Hommagen an Oesterveld. Diese waren in der Ausstellung zu sehen.

Besuch und Atmosphäre

Als ich mich in der Ausstellung aufhielt, waren viele Erwachsene und auch Kinder zugegen. Für die Kinder spannend waren die Glasvitrinen in Bodennähe und die Zeichentrickfilme, die teils in Dauerschleife liefen.

Es liefen mehrere Videos gleichzeitig im Raum, einige ohne Ton und andere mit Musik. Ein Musikvideo zeigte eine Band, bei der im Hintergrund ein Künstler die Wand bemalte. Ein stummlaufender Dokumentarfilm von 1959 erzählte über die „wahre Geschichte der ersten Gründung von Buenos Aires“.

Dies zusammen genommen gab der Ausstellung eine zusätzliche Lebendigkeit.


Weitere Infos

hr-online.de „Argentinische Comics. Nos tocó hacer reír“
mfk-frankfurt.de Argentinische Comics. „Nos tocó hacer reir“

Nos toco hacer reír – Argentinische Comics
Museum für Kommunikation
Frankfurt am Main
Schaumainkai 53

24.09. – 31.10.2010
Öffnungszeiten
Dienstag bis Freitag 9-18 Uhr
Samstag, Sonn- und Feiertage 11-19 Uhr

Öffentliche Führungen
sonntags 16 Uhr, mittwochs 16 Uhr


Update 14.03.2012

Noch ein paar weitere Quellen im Web gefunden:

Exkurs:

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Das Ich, die Anderen, die Stadt + die Kunst – Saul Steinberg (1914–1999)

IMG_7841-steinbergGestern um 19.00 Uhr im Jüdischen Museum. Ich besuche den Lichtbildervortrag von Burkhard Brunn
Das Ich, die Anderen, die Stadt + die Kunst. Saul Steinberg (1914–1999)

Es ist anders als sonst, stelle ich fest.
Die Veranstaltung wurde gemeinsam mit Caricatura organisiert, erklärt Herr Backhaus.
Das Thema Karikatur verlasse den Rahmen „Comics“ (und passt doch vorzüglich, Anm. i.U.).
Einen Hinweis zur Comic-Ausstellung gibt es dennoch: morgen, das heißt heute, gäbe es die Ergebnisse des Schülerworkshops, dem pädagogischen Begleitprogramm zur Ausstellung „Superman und Golem“, zu sehen. Eine Uhrzeit für die Ausstellungseröffnung hat er leider nicht gegeben, und ich habe keine Information dazu gefunden.

IMG_7843-steinbergDer Vortrag

Saul Steinberg war ziemlich berühmt. Er zeichnete viele Cover für den „New Yorker„. In seiner Kunst erscheine der soziologische Blick auf die Gesellschaft.

Uns werden in diesem Lichtbildervortrag Bilder gezeigt, in denen die Frau als das schwache Geschlecht dargestellt ist: z.B. ein Bild mit einer Gesellschaft als Vögel und Katzen. Die Vögel sind die Frauen und die Katzen die Männer, ein wahres Zusammenleben nicht wirklich gegeben, da es Jäger und Opfer sind.

Steinberg zeigt Herrschaftsverhältnisse in vielen Variationen, auch Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Erwachsene vs. Kinder. Kommunikation, Sprache ist ihm ein wichtiges Thema.

samuel-20071018_saul-steinberg
Bildquelle: bispensiero.blogspot.com La meno narcisistica delle espressioni

Steinberg sei eigentlich Schriftsteller, der sich mit der Linie ausdrücke, weil er es schriftlich nicht könne.

Seine Fragen „Wer bin ich?“ seien soziologische Frage. Es gehe um Eigen- und Fremdwahrnehmung.

In vielen Karikaturen beschäftigte er sich auch mit dem Alltagsleben der Amerikaner und deren Selbstverständnis, wie sie sich in der Welt sahen.
Oder mit dem Kapitalismus, in dem Geschwindigkeit das entscheidende Moment sei.

Interessant fand ich den Aspekt „Interpretation“ und dass der Künstler nicht die alleinige Erklärungsmacht hätte und Steinberg dies auch für sich so gesehen habe. Kunst sei ein Rätsel, das mehrere Interpretationen zulasse. Und mit Umberto Eco „Das offene Kunstwerk“ würde das Publikum aufgefordert, selbst Interpretationen zu machen. Yeah!

Harald Rosenberg hätte Steinberg ganz gut skizziert.

Resümee

Die Veranstaltung hat Spaß gemacht. :yes:
Nicht nur dem Herrn Brunn, der dies zum Abschluss sehr überzeugend mitteilte, sondern auch mir.
Die Neugier auf den Künstler, der auch mit Berühmtheiten wie Simone de Beauvoir, seine Darstellungen zum Geschlechterverhältnis und der Rolle der Frau sind wirklich sehr interessant, Kontakt hatte, ist geweckt.

Da es ein Lichtbildervortrag war, konnte ich nicht wirklich mitschreiben. Ein Bild, das gezeigt wurde, habe ich nicht mitbekommen, da ich gerade eine Notiz machte. 😦

Aber mensch kann einen guten Eindruck vom Schaffen Saul Steinbergs bekommen, wenn die google-Bildersuche genutzt wird. :yes:
Übrigens soll es eine Ausstellung in Hamburg bald geben.


Weitere Infos

Mit Bildern erzählen – Leben und Werk Will Eisners

Vortrag zu Will EisnerAm Mittwoch, 4. März 2009, war ich bereits um 18.00 Uhr im jüdischen Museum, um dem
Vortrag von Andreas C. Knigge Mit Bildern erzählen – Leben und Werk Will Eisners zu folgen.

Erik Riedel stellt Andreas C. Knigge vor, den Journalisten und Fachautoren zahlreicher Comicfachliteratur, darunter „50 Klassiker Comics“.
Knigge habe Eisner persönlich kennengelernt.
Der Carlsen-Verlag sei Mitveranstalter dieses Abends.

Riedel weist darauf hin, dass es noch eine Kabinettausstellung mit Schülerarbeiten aus einem Workshop geben wird.

Der Vortrag

Will Eisner sei für diese Ausstellung besonders bedeutend. Er hat jüdische Themen in seinen Comics verarbeitet. Mit seiner langen Schaffenszeit prägte er verschiedene Genre mit. In Deutschland sei Will Eisner nicht so bekannt.

Knigge lernte Eisner 1977 kennen als er in einem Hamburger Verlag arbeitete, der den Spirit herausgeben wollte. Erschienen ist nur eine Ausgabe. Die Freundschaft ist geblieben. Eisner ist 2005 verstorben.

Comics

Unter den Comic-Künstlern gäbe es viele Juden. Knigge stellte die rhetorische Frage warum das so sei. Und beantwortet diese damit, dass aufgrund der Fremdenfeindlichkeit der Zugang zu Etabliertem verwehrt gewesen sei.

Der Comic bot neue Berufe, die noch keine Regelungen und Schranken aufwiesen, wie es beim Film in Hollywood war.

Es bestand der Wunsch sich zu assimilieren und dabei fand eine Idealisierung Amerikas auf Comic-Ebene statt. Dies sei der „Erfolg des Scheiterns“. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Juden in Europa ausgegrenzt und stigmatisiert. Die Neue Welt schürte neue Hoffnung.
Der junge Film und die junge Comics boten sich als Medium mit ihren Traumwelten an.

Die Jugend wollte als Amerikaner betrachtet werden. Es kam trotzdem zu Anfeindungen, so dass sich viele Einwanderer amerikanisierte Namen gaben, um sich vor Widerwillen zu schützen. Es war das Phänomen des „melting pot“.

Biographie

Will Eisner wurde am 6. März 1917 in Brooklyn geboren. Sein Vater war Österreicher und von Beruf Landschaftsmaler, später Bühnenbildmaler am Theater
Seine Mutter kam aus Rumänien.
Er trug Zeitungen aus, um die Familie mit zu unterstützen. Er besuchte die New York school of visual art.

Der Film befand sich in den Anfängen. Comic-Zeichner bekamen damals die Aufmerksamkeit wie Filmstars sie heute erhalten. Will wollte Comic-Zeichner werden. Sein Vater ermutigte ihn.
1936 gründete er mit Jerry Igener ein Zeichenstudio

Eisner zeichnete auch für einen Verlag in England die ein großes Seitenformat verlangten.
In Amerika kam es zu einem neuen kleineren Format, das die neu aufkommenden Comic-Hefte dominierte. Eisner wollte die Geschichten auch für Amerika verwenden und gestaltete die Seiten neu, um den Inhalt passend zu arrangieren.

Eisner verkaufte seinen Studioanteil, weil er neues Publikum mit seiner Kunst erreichen möchte. Er will Geschichten für ein erwachsenes Publikum gestalten.

Erzählen mit Bildern

Eisner schuf ein Werk über 6000 Seiten und wird in USA wertgeschätzt.
Er ist Zeichner und Texter

Maske, Handschuhe und ein blauer Anzug

Sein erstes Projekt, das er allein bewerkstelligte, waren 16 Seiten mit je drei verschiedenen Comics. Eins davon war der Spirit. Die Maske war Zugeständnis an den Auftraggeber. Der Spirit sollte kein Serienheld werden.

Der zweite Held in dieser, aber auch in anderen Geschichte ist die Stadt.
Die Geschichten erinnern an den film noire.

Später ist der Held nicht im Mittelpunkt der Geschichte, sondern nur noch ein Beiständer, z.B. in Gerhard Shnobbel vom 05.09.48. Sie ist Eisners Lieblingsgeschichte aufgrund der persönlichen Gefühle, die darin vorkommen. Geschichte ist auch ein bisschen autobiographisch.

Gerhard Shnobbel musste seine (Flug)Fähigkeit verstecken, weil die gesellschaft es so verlangte. Die Quintessenz ist: den eigenen Träumen treu zu bleiben.
Die Geschichte könne als Grundstein für seine späteren Graphic novels gesehen werden.

Berühmt wurde er durch seine Splashpages.

1950 hörte Eisner auf, den Spirit zu zeichnen.

Wiederentdeckung

20 jahre war Eisner von der Bildfläche Comic verschwunden. Er machte Lehrcomics für das Militär, hatte einen Schulbuchverlag gegründet.

Ende der 60iger entdeckten die „underground comics“ Will Eisner. 1974 wird der Spirit nachgedruckt.

Er erhält einen Preis (comicsalon grand prix) und sein Interesse an Comics wurde wieder lebendig.

Vertrag mit Gott

Mit 61 jahre begann er seine zweite Comiclaufbahn.

1978 entsteht „Ein Vertrag mit Gott“. Ein Band mit vier Novellen in ungewöhnlicher Art der Erzählung. Es ist in schwarzweiß gehalten. Der Stil ist ein humoristischer, dadurch sei eine leichtere Identizierung mit Figuren möglich.
Im Juni/Juli 09 bringt Carlsen den Band auf deutsch heraus.

To the Heart of the Storm

„To the Heart of the Storm“ berichtet vom Leben in der Großstadt. Die Geschichte zeigt den versöhnlichen Weg, wie mit Humor Situationen deeskaliert.
Eisner bringe das Persönliche in Allgemeinen, er versuche das Allgemeine herauszufinden

Lifeforce

1988 herausgekommen, fragt nach dem Sinn. Es geht um den Aspekt: nicht aufgeben.

2002 erhält Eisner den Preis für sein Lebenswerk.

Fagin the jew

Fagin the jew, 2003, erzählt die Geschichte von Fagin dem Juden aus Charles Dickens Roman
Die Geschichte arbeitet mit Klischees

Auch im Spirit arbeitete er mit eindeutigen Klischees: Ebony, die kleine schwarze Figur mit den dicken Lippen.
Es ist eine sehr stereotype Figur. Eisner ändert sie im Laufe der Zeit, irgendwann kommt sie nicht mehr vor.

Comics arbeiteten oft mit Stereotypen, gute wie schlechte, erklärt Knigge. Der künstler müsse sich seiner Verantwortung bewusst sein, welche wie verwendet werden.

Das Komplott

2005 erschien Das Komplott postum. Es ist recherchierte Geschichte.
Es behandelt die Lüge von der jüdischen Weltverschwörung, die sich in den „Protokollen der Weisen von Zion“ äußern solle. Bereits 1921 entlarvt die London Times diese Lüge.

Die Geschichte könne als Comic-Dokumentation bezeichnet werden, ein neuer Bereich, der durch Comics erfüllt wird.

Abschluss

Knigge arbeitet als Berater bei Kindlers Literaturlexikon mit. Es werden 12 Comics im Lexikon aufgenommen.
Darunter auch der Zeichner und Texter Will Eisner.

Mit Bildern erzählen – Leben und Werk Will Eisners

Vortrag zu Will EisnerAm Mittwoch, 4. März 2009, war ich bereits um 18.00 Uhr im jüdischen Museum, um dem
Vortrag von Andreas C. Knigge Mit Bildern erzählen – Leben und Werk Will Eisners zu folgen.

Erik Riedel stellt Andreas C. Knigge vor, den Journalisten und Fachautoren zahlreicher Comicfachliteratur, darunter „50 Klassiker Comics“.
Knigge habe Eisner persönlich kennengelernt.
Der Carlsen-Verlag sei Mitveranstalter dieses Abends.

Riedel weist darauf hin, dass es noch eine Kabinettausstellung mit Schülerarbeiten aus einem Workshop geben wird.

Der Vortrag

Will Eisner sei für diese Ausstellung besonders bedeutend. Er hat jüdische Themen in seinen Comics verarbeitet. Mit seiner langen Schaffenszeit prägte er verschiedene Genre mit. In Deutschland sei Will Eisner nicht so bekannt.

Knigge lernte Eisner 1977 kennen als er in einem Hamburger Verlag arbeitete, der den Spirit herausgeben wollte. Erschienen ist nur eine Ausgabe. Die Freundschaft ist geblieben. Eisner ist 2005 verstorben.

Comics

Unter den Comic-Künstlern gäbe es viele Juden. Knigge stellte die rhetorische Frage warum das so sei. Und beantwortet diese damit, dass aufgrund der Fremdenfeindlichkeit der Zugang zu Etabliertem verwehrt gewesen sei.

Der Comic bot neue Berufe, die noch keine Regelungen und Schranken aufwiesen, wie es beim Film in Hollywood war.

Es bestand der Wunsch sich zu assimilieren und dabei fand eine Idealisierung Amerikas auf Comic-Ebene statt. Dies sei der „Erfolg des Scheiterns“. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Juden in Europa ausgegrenzt und stigmatisiert. Die Neue Welt schürte neue Hoffnung.
Der junge Film und die junge Comics boten sich als Medium mit ihren Traumwelten an.

Die Jugend wollte als Amerikaner betrachtet werden. Es kam trotzdem zu Anfeindungen, so dass sich viele Einwanderer amerikanisierte Namen gaben, um sich vor Widerwillen zu schützen. Es war das Phänomen des „melting pot“.

Biographie

Will Eisner wurde am 6. März 1917 in Brooklyn geboren. Sein Vater war Österreicher und von Beruf Landschaftsmaler, später Bühnenbildmaler am Theater
Seine Mutter kam aus Rumänien.
Er trug Zeitungen aus, um die Familie mit zu unterstützen. Er besuchte die New York school of visual art.

Der Film befand sich in den Anfängen. Comic-Zeichner bekamen damals die Aufmerksamkeit wie Filmstars sie heute erhalten. Will wollte Comic-Zeichner werden. Sein Vater ermutigte ihn.
1936 gründete er mit Jerry Igener ein Zeichenstudio

Eisner zeichnete auch für einen Verlag in England die ein großes Seitenformat verlangten.
In Amerika kam es zu einem neuen kleineren Format, das die neu aufkommenden Comic-Hefte dominierte. Eisner wollte die Geschichten auch für Amerika verwenden und gestaltete die Seiten neu, um den Inhalt passend zu arrangieren.

Eisner verkaufte seinen Studioanteil, weil er neues Publikum mit seiner Kunst erreichen möchte. Er will Geschichten für ein erwachsenes Publikum gestalten.

Erzählen mit Bildern

Eisner schuf ein Werk über 6000 Seiten und wird in USA wertgeschätzt.
Er ist Zeichner und Texter

Maske, Handschuhe und ein blauer Anzug

Sein erstes Projekt, das er allein bewerkstelligte, waren 16 Seiten mit je drei verschiedenen Comics. Eins davon war der Spirit. Die Maske war Zugeständnis an den Auftraggeber. Der Spirit sollte kein Serienheld werden.

Der zweite Held in dieser, aber auch in anderen Geschichte ist die Stadt.
Die Geschichten erinnern an den film noire.

Später ist der Held nicht im Mittelpunkt der Geschichte, sondern nur noch ein Beiständer, z.B. in Gerhard Shnobbel vom 05.09.48. Sie ist Eisners Lieblingsgeschichte aufgrund der persönlichen Gefühle, die darin vorkommen. Geschichte ist auch ein bisschen autobiographisch.

Gerhard Shnobbel musste seine (Flug)Fähigkeit verstecken, weil die gesellschaft es so verlangte. Die Quintessenz ist: den eigenen Träumen treu zu bleiben.
Die Geschichte könne als Grundstein für seine späteren Graphic novels gesehen werden.

Berühmt wurde er durch seine Splashpages.

1950 hörte Eisner auf, den Spirit zu zeichnen.

Wiederentdeckung

20 jahre war Eisner von der Bildfläche Comic verschwunden. Er machte Lehrcomics für das Militär, hatte einen Schulbuchverlag gegründet.

Ende der 60iger entdeckten die „underground comics“ Will Eisner. 1974 wird der Spirit nachgedruckt.

Er erhält einen Preis (comicsalon grand prix) und sein Interesse an Comics wurde wieder lebendig.

Vertrag mit Gott

Mit 61 jahre begann er seine zweite Comiclaufbahn.

1978 entsteht „Ein Vertrag mit Gott“. Ein Band mit vier Novellen in ungewöhnlicher Art der Erzählung. Es ist in schwarzweiß gehalten. Der Stil ist ein humoristischer, dadurch sei eine leichtere Identizierung mit Figuren möglich.
Im Juni/Juli 09 bringt Carlsen den Band auf deutsch heraus.

To the Heart of the Storm

„To the Heart of the Storm“ berichtet vom Leben in der Großstadt. Die Geschichte zeigt den versöhnlichen Weg, wie mit Humor Situationen deeskaliert.
Eisner bringe das Persönliche in Allgemeinen, er versuche das Allgemeine herauszufinden

Lifeforce

1988 herausgekommen, fragt nach dem Sinn. Es geht um den Aspekt: nicht aufgeben.

2002 erhält Eisner den Preis für sein Lebenswerk.

Fagin the jew

Fagin the jew, 2003, erzählt die Geschichte von Fagin dem Juden aus Charles Dickens Roman
Die Geschichte arbeitet mit Klischees

Auch im Spirit arbeitete er mit eindeutigen Klischees: Ebony, die kleine schwarze Figur mit den dicken Lippen.
Es ist eine sehr stereotype Figur. Eisner ändert sie im Laufe der Zeit, irgendwann kommt sie nicht mehr vor.

Comics arbeiteten oft mit Stereotypen, gute wie schlechte, erklärt Knigge. Der künstler müsse sich seiner Verantwortung bewusst sein, welche wie verwendet werden.

Das Komplott

2005 erschien Das Komplott postum. Es ist recherchierte Geschichte.
Es behandelt die Lüge von der jüdischen Weltverschwörung, die sich in den „Protokollen der Weisen von Zion“ äußern solle. Bereits 1921 entlarvt die London Times diese Lüge.

Die Geschichte könne als Comic-Dokumentation bezeichnet werden, ein neuer Bereich, der durch Comics erfüllt wird.

Abschluss

Knigge arbeitet als Berater bei Kindlers Literaturlexikon mit. Es werden 12 Comics im Lexikon aufgenommen.
Darunter auch der Zeichner und Texter Will Eisner.

Vortrag Rutu Modan: Blutspuren

Am Sonntag, den 1. März sprach Rutu Modan über Blutspuren (Originaltitel: Exit Wounds) im jüdischen Museum.

Trotz des frühen Beginns (11 Uhr) war der Raum gut gefüllt. Und auch der Hessische Rundfunk machte seine Aufwartung.

IMG_7582-modan IMG_7585-modan

Der Vortrag

Modan sprach über israelische Comics. Dass es keine Tradition zu Comics gäbe. Batman und Superman waren ein „comercial failure“ in Israel gewesen.

Seit den letzten 10 Jahren kämen neue Künstler.

Israelische Comics seien derzeit eklektisch. Jeder Künstler hätte sich selbst zu erfinden und manche würde sich durch schwarzen Humor schützen.

Es wäre eine bestimmte Art von Leuten mit leidenschaft, die es machen. Viele wären middle class/ aus dem Bürgertum, weil mensch muss versorgt sein, um ein kunstschaffend sein zu können. Kunst wird nicht bezahlt wie ein Job. Es gibt keine Comic-Industrie in Israel.

Frauen und Comics

Modan wusste nicht, dass Comics eigentlich for boys seien. Aber da sie davon keine Kenntnis hatte, konnte sie frei arbeiten.
Sie zeigte uns auch ein paar Bilder über Frauendarstellung in Comics,
dickbusig
Die hat Power! Mann! Deshalb heißt sie Power-Girl!
oder müssen immer gerettet
Lois Lane auf Cover Action Comics 494
werden, die es schwer machen, Frauenfiguren in Comics zu erschaffen.

Erinnerungen und Fotos

Sie arbeitet mit Erinnerungen und mit Fotos. Für eine Figur nutzte sie die Erinnerung an ihre Freundin aus der Schulzeit, der Vater Millionär und deren Mutter Schönheitskönigin gewesen war.

Oder sie gebraucht Models, fotografiert reale Menschen.

Modan sammelt Familienfotos auch von Fremden, weil in jedem Foto könne eine Geschichte stecken und geht dazu auf den Flohmarkt. Dabei ist ihr etwas Mysteriöses passiert.

Die Fotoalben kosten in der Regel 5 Dollar das Stück. Als sie so ein Album durchblätterte, stellte sie fest, dass sie Personen auf den Bildern erkannte. Es war ein Album ihres Vaters, dessen Sachen, nachdem er verstorben war, verteilt wurde. Ein Album wurde damals vermisst und ist also hier gelandet.
Sie fragte den Händler nach den Preis. Dieser nannte 150 Dollar. Sie fiel aus allen Wolken und fragte, warum dieses Album so teuer sei. Der Händler meinte, das Album sei „unique“.
Diese Situation hat sie in leicht geänderter Version in ihrer Arbeit verwendet.

Photos wären wichtig für sie, diese unterstützen die Gefühle beim Zeichnen.
Aber sie könne entscheiden, wer den Guy am Ende kriegt.


Weitere Infos

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Mäuse, Mickey und MAUS

IMG_7506-mausAm Mittwoch, 18. Februar 2009 um 18.30 Uhr befand ich mich im Jüdischen Museum, um den Vortrag von Ole Frahm, HamburgMäuse, Mickey und MAUS. Zur Ästhetik von Art Spiegelmans Darstellung des Holocaust“ anzuhören.

Anfangs dachte ich noch: O, diesmal wird der Raum nicht so voll. Aber innerhalb von 5 Minuten war er so gut befüllt, wie bisher bei jedem Vortrag, den ich besuchte.

Okay.

Das Thema war mit das Promotionsthema von Ole Frahm.

Gesellschaftskritik und stereotypische Ansicht

An das Thema sei schwer heranzukommen, so Frahm. Aber mit Geoffrey Hartman, ein emeritierter Yale-Professor, der von einem überlegten Umgang mit der Erinnerung in seinem Werk „Der längste Schatten. Erinnern und Vergessen nach dem Holocaust“ schrieb, wäre ein differenzierter Blick möglich.

Masken in MAUS

Art Spiegelman kommt aus der Tradition der Underground-Comics, die 1972 Tabus brechen. In seinem Werk MAUS, die Geschichte des Überlebenen Vladek Spiegelman, die ihm von seinem Vater berichtet wird, setzt der Künstler Mäuse, Katzen, Hunde und Schweine ein.
Hier wurde Spiegelman vorgeworfen, dass er das Bild der Nazis fortschreiben würde, indem die Juden als Ungeziefer betrachtet werden. Im zweiten Band bricht er diesen Vorwurf auf, indem er mit den Masken spielt.

Aber auch bereits im ersten Band zeigt sich, dass die Maske eine Herausforderung ist. In einer Situation kann sich der Vater retten, indem er eine Schweinemaske trägt, die ihn somit als Polen ausweist.

Im zweiten Band stellt Art Spiegelman sich als maskentragender Zeichner dar. So wird mit den Ebenen gespielt.

Projektion von Identität auf die Maske

Die Maskierung bedeutet nicht gleich Identifizierung. Dies ist noch einige Zeit lang möglich. Vladek kann noch Jude und Pole sein. Schon bald wird er auf eine „Maske“ festgelegt und ist nur noch Jude.

Masken helfen bei der Verallgemeinerung des Individuums. Wohingegen Mary Wigman feststellte, dass Hitler der Mann ohne Maske sei.

Die internationale Mouse

Ich höre von Horst Rosenthal, der die Satire „Mickey im Lager Gurs“ verfasste, in der er davon erzählte, wie er in das Lager kam. Die Figur ist ihm bekannt. Er nutzt Mickys detektivische Fähigkeiten, um z.B. darzustellen, wie wenig es zu essen gibt.
Die Satire geht positiv aus: Mickey verlässt mit Hilfe des Radiergummis das Lager und ist in Amerika. Horst Rosenthal verstirbt 1942 in Auschwitz.

Auf der anderen Seite wird Mickey in der Maskierung des Farfur im April 2007 von den Palästinänser dazu genutzt, bei den Kindern Stimmung gegen die Israelis zu machen.

Resümee

Eine schöne Erfahrung mitzuerleben, wie über das Thema wissenschaftlich gesprochen wurde. Wenn ich es auch schade fand, dass an manchen Stellen kein Bezug zu Scott McCloud gezogen wurde, als es gerade darum ging, zu erklären, was Masken alles vermögen.

IMG_7507-maus IMG_7508-maus

Weitere Infos

Hier findet sich so manche Abbildung und Inhalte, die im Vortrag gezeigt und genannten wurde:

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Mäuse, Mickey und MAUS

IMG_7506-mausAm Mittwoch, 18. Februar 2009 um 18.30 Uhr befand ich mich im Jüdischen Museum, um den Vortrag von Ole Frahm, HamburgMäuse, Mickey und MAUS. Zur Ästhetik von Art Spiegelmans Darstellung des Holocaust“ anzuhören.

Anfangs dachte ich noch: O, diesmal wird der Raum nicht so voll. Aber innerhalb von 5 Minuten war er so gut befüllt, wie bisher bei jedem Vortrag, den ich besuchte.

Okay.

Das Thema war mit das Promotionsthema von Ole Frahm.

Gesellschaftskritik und stereotypische Ansicht

An das Thema sei schwer heranzukommen, so Frahm. Aber mit Geoffrey Hartman, ein emeritierter Yale-Professor, der von einem überlegten Umgang mit der Erinnerung in seinem Werk „Der längste Schatten. Erinnern und Vergessen nach dem Holocaust“ schrieb, wäre ein differenzierter Blick möglich.

Masken in MAUS

Art Spiegelman kommt aus der Tradition der Underground-Comics, die 1972 Tabus brechen. In seinem Werk MAUS, die Geschichte des Überlebenen Vladek Spiegelman, die ihm von seinem Vater berichtet wird, setzt der Künstler Mäuse, Katzen, Hunde und Schweine ein.
Hier wurde Spiegelman vorgeworfen, dass er das Bild der Nazis fortschreiben würde, indem die Juden als Ungeziefer betrachtet werden. Im zweiten Band bricht er diesen Vorwurf auf, indem er mit den Masken spielt.

Aber auch bereits im ersten Band zeigt sich, dass die Maske eine Herausforderung ist. In einer Situation kann sich der Vater retten, indem er eine Schweinemaske trägt, die ihn somit als Polen ausweist.

Im zweiten Band stellt Art Spiegelman sich als maskentragender Zeichner dar. So wird mit den Ebenen gespielt.

Projektion von Identität auf die Maske

Die Maskierung bedeutet nicht gleich Identifizierung. Dies ist noch einige Zeit lang möglich. Vladek kann noch Jude und Pole sein. Schon bald wird er auf eine „Maske“ festgelegt und ist nur noch Jude.

Masken helfen bei der Verallgemeinerung des Individuums. Wohingegen Mary Wigman feststellte, dass Hitler der Mann ohne Maske sei.

Die internationale Mouse

Ich höre von Horst Rosenthal, der die Satire „Mickey im Lager Gurs“ verfasste, in der er davon erzählte, wie er in das Lager kam. Die Figur ist ihm bekannt. Er nutzt Mickys detektivische Fähigkeiten, um z.B. darzustellen, wie wenig es zu essen gibt.
Die Satire geht positiv aus: Mickey verlässt mit Hilfe des Radiergummis das Lager und ist in Amerika. Horst Rosenthal verstirbt 1942 in Auschwitz.

Auf der anderen Seite wird Mickey in der Maskierung des Farfur im April 2007 von den Palästinänser dazu genutzt, bei den Kindern Stimmung gegen die Israelis zu machen.

Resümee

Eine schöne Erfahrung mitzuerleben, wie über das Thema wissenschaftlich gesprochen wurde. Wenn ich es auch schade fand, dass an manchen Stellen kein Bezug zu Scott McCloud gezogen wurde, als es gerade darum ging, zu erklären, was Masken alles vermögen.

IMG_7507-maus IMG_7508-maus

Weitere Infos

Hier findet sich so manche Abbildung und Inhalte, die im Vortrag gezeigt und genannten wurde:

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Eskapismus

Letzte Woche, am Mittwoch, 28. Januar 2009, 18.30 Uhr im Jüdischen Museum gab es den Vortrag „Antisemitische und rechtsradikale Comics“ von Ralf Palandt.

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Vorbereitung

Da ich wusste, dass es im Comic-Jahrbuch 2009 einen Artikel zum Thema „Braune Comics? – Bilder vom rechten Rand der Gesellschaft“ geben sollte, habe ich diesen zur Vorbereitung gelesen. Der Autor ist ebenfalls Ralf Palandt.

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Die Ausstellung "Superman und Golem" ist eröffnet

IMG_6869-kaffeeZu allererst: ich wünschte, ich hätte eine Kamera in meinem Kopf, die Bild und Ton automatisch bei netten, interessanten Gelegenheiten aufzeichnet.
Oder, es kommt ein Buch zur Ausstellung heraus.

Superman und Golem
Der Comic als Medium jüdischer Erinnerung

Ich war also am Mittwoch, 17. Dezember 2008, bereits um ca. 18 Uhr, der Vortrag sollte 18.30 Uhr beginnen im Jüdischen Museum. Anne-Hélène Hoog, Paris, hielt den Einführungsvortrag „Superhelden und Holocaust im Comic“ zur Ausstellungseröffnung.

IMG_6841-fleischer-superman IMG_6844-tuer IMG_6846-tuer-offen
IMG_6848-metall Ich war noch nie dort im Museum. Deshalb beeindruckte mich die Örtlichkeit.

In der Ausstellung selbst durfte ich nicht fotografieren, deshalb erhaschte ich nur einen kurzen Blick der geöffneten Tür mit der Digi-Cam.

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"Pop, Protest und Politik: Die Comics der 68er"…

… steht da.
Donnerstag, 24.04.2008, 19 Uhr, Deutsche Nationalbibliothek, Adickesallee 1 in Frankfurt.
Vortrag von Bernd Dolle-Weinkauff.

IMG_2412-bibHimmel!
Ich bin zu spät da.
Wieso glaubte ich, dass die Veranstaltung um 19.30 Uhr beginnt? (Dafür wäre ich nämlich zu früh gewesen.)

Und so platzte ich in den laufenden Vortrag.
Der Raum ist ziemlich voll. Ich finde nur hinten einen Platz.

Dolle-Weinkauff erzählt, dass es vier Strömungen zu verzeichnen gibt, die das Thema begleiten.

 

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