Werden sie je beantwortet? Meine Fragen an MAUS

Eine große Frage stellt sich: Warum zerstörte der Vater die Tagebücher der Mutter? Es muss etwas Wichtiges sein. Aber es bleibt ohne Antwort.

Eben, soll niemand anderes lesen und vielleicht etwas anderes lesen als das, was der Vater berichtete? Ich glaub das erfahrene Leid, aber diese Tat irritierte mich.

Ja, frag ihn das, ob ihn (Art Spiegelman) das nie gewundert hat. Weil das ist merkwürdig. Auch dass der Vater eine Anstaltsuniform nachkaufte und sich darin fotografieren ließ.

Mir ist in der Geschichte „Maus“ aufgefallen, dass es so „ohne Probleme“ lief, Gefangenschaft – Flucht KZ etc. Dass der Vater immer einen Ausweg fand. Wunderbarerweise gab es immer irgendwie Geld, Schmuck etc.
Aber es gibt nur diese eine Auslegung des Erlebens, nämlich die Erinnerungen und Erzählungen des Vaters – denn er hat die Tagebücher der Mutter zerstört.
Aber zu dieser Frau muss er ein ziemlich wie auch immer geartete Beziehung gehabt haben, da ihn ihr Selbstmord dermaßen umwarf. (Dies hat Art Spiegelman im Comic völlig anders dargestellt, so dass es ziemlich aus der Geschichte herausstach.)

Mich interessiert also die abwesende Frau.
Hat sie ihm Kraft gegeben?
Hat sie Zuversicht gegeben?
Hat sie eventuell Auswege gefunden und die Mittel gehabt, die nun aber nicht bekannt sein dürfen?
Für mich taucht so eine Riesenwolke an Fragen auf mit diesen zerstörten Tagebüchern.
So als wollte der Vater nur noch seine Interpretation der Vergangenheit überleben sehen.

Verstehst du, was ich meine?
Wäre interessant zu erfahren, was Herr Spiegelmann darüber gedacht hat.

Viele Grüße
Comicleserin

Ein paar Bilder werde ich noch nachreichen, die zu meinen Fragen führten.

Mäuse, Mickey und MAUS

IMG_7506-mausAm Mittwoch, 18. Februar 2009 um 18.30 Uhr befand ich mich im Jüdischen Museum, um den Vortrag von Ole Frahm, HamburgMäuse, Mickey und MAUS. Zur Ästhetik von Art Spiegelmans Darstellung des Holocaust“ anzuhören.

Anfangs dachte ich noch: O, diesmal wird der Raum nicht so voll. Aber innerhalb von 5 Minuten war er so gut befüllt, wie bisher bei jedem Vortrag, den ich besuchte.

Okay.

Das Thema war mit das Promotionsthema von Ole Frahm.

Gesellschaftskritik und stereotypische Ansicht

An das Thema sei schwer heranzukommen, so Frahm. Aber mit Geoffrey Hartman, ein emeritierter Yale-Professor, der von einem überlegten Umgang mit der Erinnerung in seinem Werk „Der längste Schatten. Erinnern und Vergessen nach dem Holocaust“ schrieb, wäre ein differenzierter Blick möglich.

Masken in MAUS

Art Spiegelman kommt aus der Tradition der Underground-Comics, die 1972 Tabus brechen. In seinem Werk MAUS, die Geschichte des Überlebenen Vladek Spiegelman, die ihm von seinem Vater berichtet wird, setzt der Künstler Mäuse, Katzen, Hunde und Schweine ein.
Hier wurde Spiegelman vorgeworfen, dass er das Bild der Nazis fortschreiben würde, indem die Juden als Ungeziefer betrachtet werden. Im zweiten Band bricht er diesen Vorwurf auf, indem er mit den Masken spielt.

Aber auch bereits im ersten Band zeigt sich, dass die Maske eine Herausforderung ist. In einer Situation kann sich der Vater retten, indem er eine Schweinemaske trägt, die ihn somit als Polen ausweist.

Im zweiten Band stellt Art Spiegelman sich als maskentragender Zeichner dar. So wird mit den Ebenen gespielt.

Projektion von Identität auf die Maske

Die Maskierung bedeutet nicht gleich Identifizierung. Dies ist noch einige Zeit lang möglich. Vladek kann noch Jude und Pole sein. Schon bald wird er auf eine „Maske“ festgelegt und ist nur noch Jude.

Masken helfen bei der Verallgemeinerung des Individuums. Wohingegen Mary Wigman feststellte, dass Hitler der Mann ohne Maske sei.

Die internationale Mouse

Ich höre von Horst Rosenthal, der die Satire „Mickey im Lager Gurs“ verfasste, in der er davon erzählte, wie er in das Lager kam. Die Figur ist ihm bekannt. Er nutzt Mickys detektivische Fähigkeiten, um z.B. darzustellen, wie wenig es zu essen gibt.
Die Satire geht positiv aus: Mickey verlässt mit Hilfe des Radiergummis das Lager und ist in Amerika. Horst Rosenthal verstirbt 1942 in Auschwitz.

Auf der anderen Seite wird Mickey in der Maskierung des Farfur im April 2007 von den Palästinänser dazu genutzt, bei den Kindern Stimmung gegen die Israelis zu machen.

Resümee

Eine schöne Erfahrung mitzuerleben, wie über das Thema wissenschaftlich gesprochen wurde. Wenn ich es auch schade fand, dass an manchen Stellen kein Bezug zu Scott McCloud gezogen wurde, als es gerade darum ging, zu erklären, was Masken alles vermögen.

IMG_7507-maus IMG_7508-maus

Weitere Infos

Hier findet sich so manche Abbildung und Inhalte, die im Vortrag gezeigt und genannten wurde:

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Mäuse, Mickey und MAUS

IMG_7506-mausAm Mittwoch, 18. Februar 2009 um 18.30 Uhr befand ich mich im Jüdischen Museum, um den Vortrag von Ole Frahm, HamburgMäuse, Mickey und MAUS. Zur Ästhetik von Art Spiegelmans Darstellung des Holocaust“ anzuhören.

Anfangs dachte ich noch: O, diesmal wird der Raum nicht so voll. Aber innerhalb von 5 Minuten war er so gut befüllt, wie bisher bei jedem Vortrag, den ich besuchte.

Okay.

Das Thema war mit das Promotionsthema von Ole Frahm.

Gesellschaftskritik und stereotypische Ansicht

An das Thema sei schwer heranzukommen, so Frahm. Aber mit Geoffrey Hartman, ein emeritierter Yale-Professor, der von einem überlegten Umgang mit der Erinnerung in seinem Werk „Der längste Schatten. Erinnern und Vergessen nach dem Holocaust“ schrieb, wäre ein differenzierter Blick möglich.

Masken in MAUS

Art Spiegelman kommt aus der Tradition der Underground-Comics, die 1972 Tabus brechen. In seinem Werk MAUS, die Geschichte des Überlebenen Vladek Spiegelman, die ihm von seinem Vater berichtet wird, setzt der Künstler Mäuse, Katzen, Hunde und Schweine ein.
Hier wurde Spiegelman vorgeworfen, dass er das Bild der Nazis fortschreiben würde, indem die Juden als Ungeziefer betrachtet werden. Im zweiten Band bricht er diesen Vorwurf auf, indem er mit den Masken spielt.

Aber auch bereits im ersten Band zeigt sich, dass die Maske eine Herausforderung ist. In einer Situation kann sich der Vater retten, indem er eine Schweinemaske trägt, die ihn somit als Polen ausweist.

Im zweiten Band stellt Art Spiegelman sich als maskentragender Zeichner dar. So wird mit den Ebenen gespielt.

Projektion von Identität auf die Maske

Die Maskierung bedeutet nicht gleich Identifizierung. Dies ist noch einige Zeit lang möglich. Vladek kann noch Jude und Pole sein. Schon bald wird er auf eine „Maske“ festgelegt und ist nur noch Jude.

Masken helfen bei der Verallgemeinerung des Individuums. Wohingegen Mary Wigman feststellte, dass Hitler der Mann ohne Maske sei.

Die internationale Mouse

Ich höre von Horst Rosenthal, der die Satire „Mickey im Lager Gurs“ verfasste, in der er davon erzählte, wie er in das Lager kam. Die Figur ist ihm bekannt. Er nutzt Mickys detektivische Fähigkeiten, um z.B. darzustellen, wie wenig es zu essen gibt.
Die Satire geht positiv aus: Mickey verlässt mit Hilfe des Radiergummis das Lager und ist in Amerika. Horst Rosenthal verstirbt 1942 in Auschwitz.

Auf der anderen Seite wird Mickey in der Maskierung des Farfur im April 2007 von den Palästinänser dazu genutzt, bei den Kindern Stimmung gegen die Israelis zu machen.

Resümee

Eine schöne Erfahrung mitzuerleben, wie über das Thema wissenschaftlich gesprochen wurde. Wenn ich es auch schade fand, dass an manchen Stellen kein Bezug zu Scott McCloud gezogen wurde, als es gerade darum ging, zu erklären, was Masken alles vermögen.

IMG_7507-maus IMG_7508-maus

Weitere Infos

Hier findet sich so manche Abbildung und Inhalte, die im Vortrag gezeigt und genannten wurde:

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Geschichtserzählungen in Comics – Möglichkeiten und Grenzen eines Mediums

Sie befinden sich hier im Comic-Universum.


18.20 Alle starren bedächtig auf die sich wechselnden Hinweise auf weitere Veranstaltungen und dem Logo der Veranstaltungsreihe auf der Leinwand.
IMG_7273-comic-geschichte Im Rahmen der Ausstellung „SUPERMAN & GOLEM – Die Comics als Medium jüdischer Erinnerung“ hielt „Frankfurts großartiger Comic-Journalist ANDREAS PLATTHAUS“ (Beschreibung von einem anderem Comic-Fan) am Mittwoch, den 14. Januar 2009 ab 18 Uhr 30 einen Vortrag über Geschichtserzählungen in Comics – Möglichkeiten und Grenzen eines Mediums im jüdischen Museum.

Der Vortrag

Platthaus erklärte Geschichte sei recherchierbar, „beweisbar“. Comic hingegen sei ein subjektives Medium und erzähle im Konjunktiv. Alleine könne Comic Geschichte nicht fassen, weil es ein persönliches Medium sei.

Kurz aufgelistet, würde ich die von Platthaus benannten Möglichkeiten und Grenzen wie folgt benennen:

IMG_7280-comic-geschichteIMG_7280-comic-geschichte
Kurze Einleitung mit der Anmerkung, dass er nicht wüsste, ob Asterix die verlässliche Geschichtsquelle sei.
  • die SchabKarton-Technik: das Bild wird aus dem Karton herausgeholt, Erinnerungen werden hervorgeholt
  • Weil die Erinnerung zu heftig seien und um Abstand herzustellen würden keine menschlichen Abbilder, sondern Tiere dargestellt
  • Gänzlich ohne Menschen, nur die Orte werden abgebildet
  • Es werden nur Tatsachenabbildungen gebracht
  • Und es gibt die Kombination von Comic und wissenschaftsanmerkungen.

Bestimmte Dinge könne der Comic nicht. Objektive Geschichtscomics sei Nonsens. Deshalb würden Hilfsmittel eingesetzt, wie z.B. die Kombination mit historischem Material und Interpretation.

Und dann folgt das Who is Who der Comic-Kunst-Schaffenden, die etwas zum Thema Geschichte gemacht haben.

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Geschichtserzählungen in Comics – Möglichkeiten und Grenzen eines Mediums

Sie befinden sich hier im Comic-Universum.


18.20 Alle starren bedächtig auf die sich wechselnden Hinweise auf weitere Veranstaltungen und dem Logo der Veranstaltungsreihe auf der Leinwand.
IMG_7273-comic-geschichte Im Rahmen der Ausstellung „SUPERMAN & GOLEM – Die Comics als Medium jüdischer Erinnerung“ hielt „Frankfurts großartiger Comic-Journalist ANDREAS PLATTHAUS“ (Beschreibung von einem anderem Comic-Fan) am Mittwoch, den 14. Januar 2009 ab 18 Uhr 30 einen Vortrag über Geschichtserzählungen in Comics – Möglichkeiten und Grenzen eines Mediums im jüdischen Museum.

Der Vortrag

Platthaus erklärte Geschichte sei recherchierbar, „beweisbar“. Comic hingegen sei ein subjektives Medium und erzähle im Konjunktiv. Alleine könne Comic Geschichte nicht fassen, weil es ein persönliches Medium sei.

Kurz aufgelistet, würde ich die von Platthaus benannten Möglichkeiten und Grenzen wie folgt benennen:

IMG_7280-comic-geschichteIMG_7280-comic-geschichte
Kurze Einleitung mit der Anmerkung, dass er nicht wüsste, ob Asterix die verlässliche Geschichtsquelle sei.
  • die SchabKarton-Technik: das Bild wird aus dem Karton herausgeholt, Erinnerungen werden hervorgeholt
  • Weil die Erinnerung zu heftig seien und um Abstand herzustellen würden keine menschlichen Abbilder, sondern Tiere dargestellt
  • Gänzlich ohne Menschen, nur die Orte werden abgebildet
  • Es werden nur Tatsachenabbildungen gebracht
  • Und es gibt die Kombination von Comic und wissenschaftsanmerkungen.

Bestimmte Dinge könne der Comic nicht. Objektive Geschichtscomics sei Nonsens. Deshalb würden Hilfsmittel eingesetzt, wie z.B. die Kombination mit historischem Material und Interpretation.

Und dann folgt das Who is Who der Comic-Kunst-Schaffenden, die etwas zum Thema Geschichte gemacht haben.

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