Lesben leben ohne Vorbilder !!! ???

Ich hatte mich gut vorbereitet für die Veranstaltung über Vorbilder und Idole, dachte ich.

standen auf meinen kleinen Notizzettel.

Schließlich hieß es:

„Von Sappho bis Anne Will – von Vorbildern und Idolen“
(…) Bei unserem (vorerst) letzten Erzählcafe möchten wir uns der Frage widmen, ob und inwiefern Vorbilder und Idole für uns wichtig waren, wichtig gewesen wären, wichtig sind oder keine Rolle spielen?
Wenn es welche gab: Welche Idole hatten die älteren Frauen unter uns? Wer fasziniert die jüngeren Frauen? Spielt die sexuelle Orientierung der jeweiligen Vorbilder dabei eine Rolle? Was halten wir von der Darstellung und Präsenz von lesbenpaaren in Fernsehserien? Wie denken wir über das öffentliche Coming-out von prominenten Lesben? Wir sind gespannt darauf, Eure/Ihre Meinung zu Vorbildern und Idolen kennen zu lernen.

Hm.
Aber es kam irgendwie ganz anders.

Die Diskussion lesbische Vorbilder

Viele der ca. 40 Frauen im Raum teilten mit, dass sie keine Vorbilder haben oder gehabt hätten.

Ich stellte mir die Frage, sind wir somit gezwungen, immer neu anzufangen? Keine Beispiele vorgelebt zu bekommen, wie es besser, anders oder gar nicht zu machen ist?

Im Raum wird angemerkt: Ein Vorbild für Lesben müsse lesbische Werte haben. Welche lesbische Werte wurde gleich gefragt.
Es gäbe menschliche Werte.

Eine andere erzählt, dass „Wir“ uns doch einig über Non-Confirmity seien.
Und ich dachte heimlich daran, wie gerne ich manchmal mir denke, dass ich dann doch auch ganz gewöhnlich sein möchte, einfach nur „gut-bürgerlich“ so merkwürdig es klingt.

Eine Frau sagte es dann: Vorbilder – ist auch die Suche nach Lebensentwürfen. Identitätsstiftung.

Berühmte, somit bekannte Lesben

Aber das größte Problem zeige sich darin, dass es berühmte Lesben nicht gäbe. Wobei ich in der Diskussion anmerkte, diese würden nicht laut in den Medien kommuniziert, sondern verschwiegen.

Darauf hin meint eine andere: Dies sei Zeichen immer noch währender Frauenfeindlichkeit, z.B. Bundeskanzlerin Frau Merkel oder Frau Clinton würden in der Öffentlichkeit diffamiert, weil sie Frauen seien.

Wenn ich jetzt hier beim Niederschreiben so nachdenke, ist „nur-Frauenfeindlichkeit-ist-der-Grund“ dann doch nicht so griffig. Denn im Gegensatz zu diesen (Hetero)Frauen, die die Macht ergreifen wollten/ haben, geht es um die Lebensart respektive die Art, wen „wir“ lieben und damit in den Mittelpunkt unseres Frauenlebens stellen.

Hürden der berühmten Lesben

Es gab berühmte, auch erfolgreiche Lesben in den Medien der Gegenwart (Maren Kroymann und auch Ellen DeGeneres), denen das Leben nach ihrem Outing schwer gemacht wurde. Sie hatten bereits ihren Erfolg, ihre kleine TV-Nische.
Aber dann ging nichts mehr: Die TV-Macher hatten plötzlich Angst, diese Frauen im TV zu zeigen, ihnen Platz zu gewähren, weil sie könnten ja Werbekunden verschrecken oder ähnliches?

Oja, dann kam natürlich kurz auch das Thema „Anne Will“ in der Diskussion auf: einerseits mit den Beschwerden, die Wills TV-Sendung zu erleiden habe und andererseits, wie und überhaupt das alles passierte (Outing in der Presse).

Als dann gefragt wurde, wie es wäre, selbst Vorbild für andere sein, meinte eine insiderinmäßig

… ich würd‘ der L-Mag jederzeit ein Interview geben.

Vorbild für Lesben?

Sind das dann die Werte der lesbischen Berühmtheiten, letztendlich auch etwas für die lesbische Community zu „tun“ oder sich zu dieser in irgendeiner Form zu bekennen und nicht nur „es“ zu leben?

Es wurde ganz kurz festgestellt, dass es eine Zeit vor L-Word, nach L-Word gäbe. Seit L-Word sei es eben schick, lesbisch zu sein.

Hat sich auch der Blick geändert?
Brauchen wir jetzt tatsächlich noch weniger Vorbilder?

 

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Das Thema ist für mich noch nicht abgeschlossen. :yes:

Ich hab ein bisschen bei Youtube Filme mit Ellen DeGeneres gestern angeschaut…
Weil: Gab’s da nicht so einen Termin an diesem Wochenende?

… und dabei ist mir folgendes aufgefallen:

it’s much easier…

Seitdem es berühmte Schwule und Lesben gäbe, sei das Coming Out/ Going Public leichter geworden:
„Outing Celebrities“ – The View 11/17/06

Das Interesse nach greifbaren, sichtbaren Lesben ist groß.
Dankbar wird die Sichtbarkeit von Ellen DeGeneres in Youtube aufgegriffen. Sie ist eine Lesbe, die relativ „natürlich“ offen ihre Beziehung zu ihrer Freundin lebt.

Ellen and Portia

Dann kommt die „Normalität“, Bürgerlichkeit in die kalifornische Lesbenwelt.

The Ellen Show – The Announcement!

… und in vielen Kommentaren zu den Filmen ist zu spüren, dass es die Kommentierenden stärkt, dass hier jemand sichtbar das Lesbischsein vorlebt.


mapy81

Ellen.. you should left her to be with me! Greetings from Peru girls! We need to be proud for who we are damn!! IM GAY.. Thanks God!
Youtube Kommentare


lookin4fun11

Wow… that is amazing, and its so true!!!!
Wish more people can view it like that!!!
Thank you
Youtube Kommentar

Lesben fühlen sich durch offen lebende berühmte Lesben stolzer, stärker.

Und in Diskussionen über Sünde oder nicht Sünde, geben sie Statements ab, dass sie so geboren seien. (Auch Heteros geben diese Statements ab, heißt, es klärt nicht nur die Lesben auf.)


beckaluvgurl13

I know! Ellen is my idol and hero and i love her to death! Portia…I dont really know her or know what she does, but she is gorgeous and they make a wonderful couple!They make such a powerful statement when people see them together,and they should be the oficial couple the represents lesbianism.They are just so loveable and joyful.Sorry for the perkiness…but I love them so much!

Youtube Diskussion


lezbyfriends
my straight friend recently said 2 me,get used 2 it,we live in a straight world……& this is a typical opinion of society in general…..i wont allow society 2 tell me who i can love n who i cant…strenghth & support 2 ellen ,portia & all lesbian kind!!

Youtube Diskussion


lookin4fun11
Wow… I think that is so inspiring for me.
You are exactly right.

Youtube Diskussion

Resümee

Ich persönlich bin der Meinung, dass uns positive lesbische Vorbilder gut tun.
So ist das. :yes:


Infos

 

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3 Kommentare zu “Lesben leben ohne Vorbilder !!! ???

  1. Mir persönlich nutzen lesbische Vorbilder überhaupt nichts. Als ich sie vielleicht gebraucht hätte, waren sie nicht da. Also musste der Weg ohne Vorbilder ablaufen und ich habe ihn auch allein gefunden, einfach weil es nicht anders ging. Sie haben ihre Lebensentwürfe und ich meinen. Ich finde aber, dass sie für uns etwas in der heterosexuellen Mehrheitsgesellschaft etwas tun. Nämlich zeigen, dass es uns Lesben gibt und das in den unterschiedlichsten Facetten.

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    • Ja, es tut gut, zu sehen, dass es nicht nur eine „Art“ von Lesben gibt, sondern derer viele, die von der Heterogesellschaft wahrgenommen wird. :yes:

      Vorbilder können auch in Büchern gefunden werden. Das Thema wurde in der Diskussionsrunde leider nicht weiter ausgeführt. Aber eine sagte dies, dass sie nach Romanen mit lesbischem Inhalt suchte.

      Mir hat die Suche nach Vorbilder, nach Alternativen, nach anderen Lebensentwürfen geholfen, meine Wurzeln, meine Art zu finden. Nicht indem ich die Vorbilder kopierte, sondern nur von ihnen lernte.
      Sie gaben mir das Bewusstsein, dass ich eben nicht die einzige Andersliebende bin. Dass es Worte dafür gibt, Ausdrücke.
      Dies gab mir Ruhe, weil ich mich nicht immer beweisen musste…

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  2. Aus schwuler Sicht kann ich auch nur bestätigen, dass positive Vorbilder immer gut tun – sonst bleiben leider die negativen übrig, davon gab es in meiner Entwicklung zu viele. Zu den negativen Vorbildern zähle ich auch die Unsichtbaren, die ihr Glück oder Unglück vor der nächsten Generation verstecken! Insofern kann es auch gar nicht zu viele verschiedene Arten von Vorbildern geben, für jede Lebensweise, die sich als gelungen erweist und für jeden Schatz von Erfahrungen, wie schwules oder lesbisches Leben aussehen könnte.

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