Comics neu erfinden – Oder was will die Leserin?

Es ist nicht so erfolgreich wie seine anderen beiden Bände („Comics richtig lesen“ und „Comics machen“), aber „Comics neu erfinden“ von Scott McCloud gibt viel Stoff, um sich so manche Gedanken über das Comiclesen, die Comic-Branche, die Comic-Industrie zu machen.

Über das Verkaufen von Comics

Der einfachste Weg des Verkaufens ist von der Comicerstellung direkt an die Leserin. Aber so läuft es nicht (mehr). Es ist ein langer Produktionsweg, bis das Comic vom Künstler zur Leserin gelangt.
McCloud zeigt eindrucksvoll, dass es ein utopischer Wunsch ist, dass der Verleger sich dabei an den Wünschen der Lesenden orientiert. Zu weit weg ist der Abstand von Verlag zur Leserin, aber auch Verlag zum Künstler.
Nur wenige Künstler haben den Mut, in einem Selbstverlag Comics herauszubringen, so dass die Inhalte autonom bleiben können. Was verständlich ist. :**:

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Abbildung aus Scott McCloud: Comics neu erfinden, Hamburg 2001, Seite 78

Wir erhalten so eine Abhängigkeit der Künstler von Verlagen/ Editoren/ Lektoren. Die Meinungsbildung der Lesenden dagegen geschieht durch Verlagsprogramme, Comichändler, Presse.
Bekanntschaften und Freundschaften, die einfach auch nur Comics lesen (wollen), haben m.E. einen geringeren Einfluss.

Das Moment des Internet

McCloud beschreibt, dass durch das Internet eine neue Form des Comics entstehen kann.
Ich dagegen möchte hier beschreiben, welche Bedeutung ich dem Internet gebe.

Comic-Fans können sich über das Internet austauschen: In Comicforen, über Blogs (in D-Land meiner Einschätzung nach derzeit relativ wenig, da es mehr Blogs gibt, die Comics verkaufen möchten oder Blogs, die Comics zur Verfügung stellen).

Wobei das Internet wieder die Nähe zwischen Leserschaft und Comicproduzent herstellt oder herstellen könnte. Die einen können sich erkundigen, was der „Markt“ möchte.

Für die anderen gibt es keine große Produktionmaschinerie, in denen viele Forderungen erfüllt werden müssen und Geld alles ist, was zählt – „Künstler im Netz“ funktioniert fast so wie virales Marketing: es wird von Webseiten/ Blogs erzählt, Links verschickt, Links werden in den Blogroll aufgenommen. Nur ein Klick und die Kunstschaffenden liefern direkt. Mit den neue Medien kommt es zur On Demand-Lieferung. Ich kann im Feereader das gewünschte Blog abonnieren und erhalte somit immer das neue Comic. Manche Blogs oder Webseiten bieten sogar einen Newsletter an.

Schlussendlich stellt sich hier dann die Frage: Wäre ich bereit, dafür etwas zu zahlen?

Tja, was will denn die Leserin eines Comics?

McCloud erzählt nicht viel über die Leserin, weil letztendlich geht es ihm um die Kunstschaffenden und das Produkt „Comic“. Er hält dennoch fest, dass die Lesenden vom Produktionsbetrieb nicht mehr erreicht werden.

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Abbildung aus Scott McCloud: Comics neu erfinden, Hamburg 2001, Seite 76

Ausblende …

fortsetzung

 


comics-neu-erfinden Comics neu erfinden
von Scott McCloud
Taschenbuch: 242 Seiten
Verlag: Carlsen (September 2001)

 

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9 Kommentare zu “Comics neu erfinden – Oder was will die Leserin?

  1. Schwierige Frage: was will die Leserin ?
    Das Internet und ein Computerbildschirm können niemals das Gefühl eines frischen Buches oder Comics ersetzen; den Geruch, das Aussehen, das Papier, den Druck…gemütlich im Sessel sitzen und lesen. Aber da bin ich bestimmt „old fashioned“.
    Das bequeme am Internet ist natürlich die schnelle Erreichbarkeit von Informationen. Ich kann wunderbar von zu Hause aus ansehen, auswählen und anlesen. Ein wahrer Liebhaber wird das Produkt aber immer in gebundener Form Daheim haben wollen.
    Und was meint er mit neuer Form des Comics ? Ist das ein Bezug zu den Onlinebüchern ?
    Hm, Zitat:
    „Wobei das Internet wieder die Nähe zwischen Leserschaft und Comicproduzent herstellt oder herstellen könnte. Die einen können sich erkundigen, was der „Markt“ möchte“
    Meinst Du nicht das ist sehr kommerziell ?? Comics sind doch schon Kunst. Sicher sie orientieren sich zuweilen am Zeitgeschmack, aber der Comic an sich sollte doch nicht zielgruppenorientiert erschaffen werden – oder ? Als Comickünstler habe ich doch ein Anliegen wie auch ein Literat, möchte man etwas mitteilen – alles andere sind für mich Auftragsarbeiten.

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    • „Wobei das Internet wieder die Nähe zwischen Leserschaft und Comicproduzent herstellt oder herstellen könnte. Die einen können sich erkundigen, was der „Markt“ möchte“
      Meinst Du nicht das ist sehr kommerziell ?? Comics sind doch schon Kunst.

      Dein Zitat ist von mir. Also meine Meinung über das Internet. 🙂

      McCloud beschreibt in seinem Buch die Internet-Utopie, dass Comics im Internet nicht mehr an die Seitenvorgaben angewiesen sind, dass Comics „synchronisiert“ werden mit Sprechern und dass die Lesenden alternative Handlungsstränge nehmen können.
      Dass es das Print-Comic ablöst, sagt er nicht. Es könnte nur eine weitere Kunstform entstehen: Comic in Verbindung mit dem Internet.

      Ansonsten bin ich mit dir einer Meinung: Ich mag das haptische Moment des Comics, es auf der Couch lesen können.
      Die Comics z.B., die ich abonniert habe, im Internet sind auch eher Comic-Strips.

      Comics sind Kunst.
      Ja.
      Aber auch Produkt, wenn z.B. die Serien angeschaut wird. Da wird geschaut, dass Profit rauskommt. Aber auch bei den eher Kunstanmutenden spielt das Geld eine Rolle. Nur ein ganz großer Verlag kann es sich da mal leisten, eine kleine Auflage herauszugeben, die dann auch noch zahlbar ist.
      Ich kann als Comicleserin für mich sagen, dass ich für gute Comics gerne auch gutes Geld ausgebe.
      Aber… und das bringt mich auf die andere Spur: Wenn die Werbung, die Medien, die Blogs nur davon schreiben, wie toll und genial die Bücher sind, wie soll ich mir ein Bild machen und rausfinden, ob es eventuell mir tatsächlich gefallen könnte?

      Das Internet stellt für mich die Chance dar, dass Kommunikation passiert. In welcher Weise auch immer.
      Manche Comic-Verlage haben sogar eigene Foren. Einfacher können sie nicht an die Meinung der Lesenden kommen.

      *soifz*
      Ich hab das Thema leider noch nicht ganz so klar.

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      • Klar, kaum ein Künstler kann sich leisten auch Idealist zu sein, aber ich meine mit der Intention eine bestimmte Zielgruppe anzusprechen heißt für mich Kommerz.
        Es gab vor einigen Jahren mal ein Aufbäumen in Richtung interaktiver Film – der Konsument bestimmt die Handlungsstränge. Ist wohl nichts handfestes daraus geworden. Man muss schließlich bedenken, dass sich im Extremfall mit steigender Leser- oder Zuschauerzahl auch die Möglichkeiten der sich daraus ergebenden Handlungsstränge vervielfacht und das kann ein einzelner Autor kaum in angemessener Zeit bewerkstelligen. Da braucht es dann schon eine Autorengemeinschaft, die sich dann auch wieder „synchronisieren“ muss…schwierig das 🙂

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      • Hm.
        Naja.

        Deshalb meine ich ja, dass ich mit dem Thema noch nicht durch bin.

        Ich mag auch die Serien.
        Die sind schon kommerziell.

        Und im Prinzip mag ich ja auch Zielgruppe sein, für die geschrieben wird.
        Aber ich habe so den Verdacht, dass ich die für Verlage, aber auch Künstler nicht bin.
        Und dass nicht so unbedingt das Interesse besteht, herauszufinden, was ich als Teil einer größeren Zielgruppe gerne hätte. Es muss ja nicht 100-pro getroffen werden.

        Naja. Und interaktive Filme, respektive Internetcomics… im Prinzip sind Games doch so aufgebaut. Es gibt nicht unendlich viele Wege. Aber dennoch potentieren sich die Möglichkeiten und Geschichten, die durch viele Alternativen geboten werden können.
        Ob ich das für Filme, Comics und Bücher brauche?
        Nein, nicht wirklich.
        Denn ich finde es auch interessant, was gemeint worden ist mit den Geschichten.

        So, hier gewittert es nun ganz gehörig. Ich werde aus dem Netz eilen. 🙂

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  2. comics kann man vor allem mitnehmen unterwegs (wer klaut schon comics?) meinen pc kann ich nicht mitnehmen. und ich hab kein laptop. und selbst wenn ich ein notebook hätte, das ist auch schwer und umständlich… ein comic macht man auf und losgehts. man kanns auf parkbänken lesen und notfalls mit semmeln hineinbröseln oder kaffee drüberschütten *hoppala* – beim pc hat das eher schlechte wirkung ^^.

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      • Genau, das fassbare Moment des Comics gefällt mir auch sehr gut.

        Ich denke, im Internet muss etwas Anderes entstehen.
        Irgendwie ganz anders.

        Ich find’s z.B. gut, dass manche Kunstschaffenden Blogs haben und dort regelmäßig Cartoons einstellen. Das ist okay so.

        Aber so ein Lesemarathon wie ich es z.B. mit Nightwing gemacht habe, könnte ich mit der Internet-Darstellung gar nicht machen. *soifz*

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  3. stimmt. erschwerend kommt noch dazu, dass befragungen ergeben haben, dass die neuen e-learn möglichkeiten gar nicht so gerne genützt werden. wenn ein student etwa zwischen einem pdf file oder sonstigem onlinetext oder einem buch wählen kann, dann wählt er das buch.

    solange die monitore und computer nicht so handlich sind, dass es sich auszahlt und man sie überall mitnehmen kann…sehe ich schwarz ;-).

    gute nacht, netzspinne

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